Madeira-StickereiEiner der bedeutendsten und – neben dem Madeirawein – in der Welt wohl bekanntesten Exportartikel Madeiras ist die Stickerei. Seit mehr als 150 Jahren fertigt ein Großteil der weiblichen Bevölkerung der Insel die verschiedensten Stickereiartikel in hervorragender Qualität an. Mehr als 30.000 Frauen und Mädchen sind auch heute noch, zum großen Teil in Heimarbeit, in diesem Industriezweig beschäftigt.Als Mitte des 19. Jh. der Weinbau aufgrund einer Traubenkrankheit als Haupteinnahmequelle der Bevölkerung stark zurückging, wurde auf Initiative einer Engländerin, der Tochter eines reichen Weinexporteurs, die – damals nur als ländliche Freizeitbeschäftigung betriebene – Stickerei in Techniques, Farben und Designs erheblich weiter entwickelt. Die ersten Erzeugnisse aus dieser neuen Generation der Stickereiindustrie Madeiras wurden zunächst in die Salons der ‘High Society’ des viktorianischen Englands verkauft. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges (1914 -18) erlebte diese Anfang des 20. Jh. noch florierende Industrie einen starken Rückfall. Zu diesem Zeitpunkt übernahmen Syrier und Libanesen die Produktion, aber deren Interesse bestand hauptsächlich an einer Massenproduktion von einfachen Artikeln minderwertiger Qualität, die zum großen Teil nur für den US-Markt bestimmt waren. Erst nach dem Krieg ging der Trend wieder zur hochwertigen Qualität, und in dieser Zeit wurden auch die heute noch bestehenden großen Fabriken gegründet, wie Patricio & Gouveia (1925), Imperial de Bordados (1926), J.A. Teixeira (1937). Die folgenden 40 Jahre wurden von dem riesigen Exportmarkt USA dominiert, der seinen Höhepunkt um 1950 erreichte. Einige der Fabriken hatten damals sogar amerikanische Besitzer. Mit der Öffnung Chinas als Erzeugerland brach der Export in die USA dramatisch ein. Seit jener Zeit hat niemals mehr ein Markt – mit Ausnahme eines blühenden Handels mit Süditalien bis um Ende 1990 herum – Madeiras Stickereiindustrie so dominiert. Heute sind die Musterbücher einiger der großen Fabriken wahre Schatztruhen mit Tausenden von Designs, die die Entwicklung der madeirensischen Stickereiindustrie eindrucksvoll dokumentieren. Es mangelt in Funchal wahrlich nicht an Stickereigeschäften. Die angebotene Produktauswahl reicht von traditionellen Geschirrtüchern, Taschentüchern, Tischsets und Tischdecken bis hin zu Bademänteln, Damenoberbekleidung, Babykleidung und Damenunterwäsche. Viele der größeren Geschäfte haben ihre eigene Fabrik, die man gerne kostenlos besichtigen kann, gleich nebendran. Eine Madeira-Stickerei ist alles andere als billig. Bei der Einschätzung des Preises sollte man aber berücksichtigen, dass bis zur Fertigstellung einer großen, mit der Hand bestickten Tischdecke 7 bis 12 Monate Arbeitszeit benötigt werden! |





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