In Bezug auf die typische Küche Madeiras gilt allgemein: Umso näher Sie an eine traditionelle Zubereitungsform dieser Gerichte herankommen, umso besser schmecken sie auch!
Obwohl Vorspeisen nicht gerade ein Schwerpunkt auf dem Speisezettel der Einheimischen sind, wird Ihnen überall auf der Insel das warme Bolo do caco, ein typisches Weizenmehlbrot, das auch auf Volksfesten und sonstigen religiösen Festlichkeiten angeboten wird, auf allen Speisekarten begegnen. Sehr beliebt als Vorspeise bei den Einheimischen sind Napfschnecken, die mit viel Knoblauch in der heißen Pfanne direkt vom Grill serviert werden und über die man vor dem Verzehr ein Stück Zitrone auspresst.
Wenn Sie ein Suppenliebhaber sind, sollten Sie unbedingt die köstliche Sopa de tomate e cebola (Tomatensuppe mit Zwiebeln, gekrönt mit einem pochierten Ei) probieren. Auch sehr beliebt bei den Einheimischen ist die Açorda, eine Brotsuppe, bei der man große Stücke von altem Brot, Knoblauch, ein pochiertes Ei, Bohnenkraut und Olivenöl einfach mit heißem Wasser übergießt. Diese Suppe duftet herrlich und ist ein ausgezeichneter Aufwärmer an einem kühlen Wintertag in Madeira!
Für alle, die gerne Fleisch essen, gibt es eine ganze Reihe von regionalen Spezialiäten, wie zum Beispiel Espetada, Carne de vinho e alhos, Picado und anderen köstlich gegrillten Fleischgerichten (hauptsächlich Hühnerfleisch, Schweinekoteletts, Rindfleischsteaks). Am bekanntesten ist wohl der Espetada, ein Spieß mit großen Rindfleischstücken, die traditionell auf einem Wacholderstab gegrillt und mit Knoblauch und Salz gewürzt werden. Die Basis für Carne vinho e alhos, sehr beliebt bei den Einheimischen zu fast jeder Gelegenheit, ist geschnetzeltes Schweinefleisch, das mindestens einen Tag lang in einer Mischung aus Knoblauch, Weinessig und Wacholder marinieren muss, bevor es in der gleichen Soße gekocht wird.
Nicht zu vergessen ist das bei den Madeirensern ebenfalls sehr beliebte Picado, ein Gericht, das man gerne in der größeren Runde genießt und das es deshalb auch in verschiedenen Größen gibt, je nach dem wie viele Personen davon satt werden sollen. Es besteht aus kleinen Rindfleischstückchen, die zusammen mit Knoblauch in einer Pfanne gebraten werden, manchmal gibt man auch rote Paprika dazu. Das ganze wird auf einer großen Schale mit Pommes Frites außen herum garniert serviert. Alle pieken (picar = pieken) mit einem Holzstäbchen in der gleichen Schale ein ideales Gericht bei Zusammenkünften von Freunden oder Familien, das man ohne großen Aufwand zubereiten kann.
Milho frito köstliche, fritierte Maismehlwürfel ist die favorisierte Beilage zu einem Fleischgericht. An Gemüsen, die in der Regel recht einfach zubereitet werden, findet man auf dem Speisezettel der Einheimischen vorwiegend, was in Madeira wächst, wie Karotten, grüne Bohnen, Abobrinha (Kürbisart), Pimpinela, Erbsen und Süßkartoffeln. Salate gehören nicht unbedingt auf den täglichen Speiseplan der Einheimischen, und wenn es welchen gibt, dann besteht dieser meistens aus Blattsalat, Tomaten, geriebenen Karotten und vielen Zwiebeln.
Aufgrund der langjährigen Fischereitradition der Insel ist Fisch vom täglichen Speisezettel der Madeirenser natürlich nicht wegzudenken. Thunfisch, Espada (Degenfisch), Bacalhau (Stockfisch), Gaiado (ein regionaler Fisch, der wie Stockfisch behandelt wird) und Potas (einem großen Kalmar ähnlich) sind die Hauptakteure bei vielen Hauptgerichten. Traditionell wird Thunfisch erst in Olivenöl, Knoblauch, Salz und Oregano mariniert, bevor man ihn in der Pfanne brät und häufig zusammen mit einem gekochten Maismehlbrei auf den Tisch bringt. Diese Zubereitungsart des Maismehls wird von den Einheimischen oft auch als Beilage zum Espada mit gebratenen Zwiebeln bevorzugt. Was Sie unbedingt probieren müssen, ist der Espada mit Banane, eine gelungene und durchaus verträgliche Kombination! Aber lassen Sie sich trotzdem die vielen anderen, schmackhaften Zubereitungsarten von Espada nicht entgehen!
Der Stockfisch wird auf der Insel wie im übrigen Portugal in den verschiedensten Varianten zubereitet. Vom köstlichen Bacalhau com natas (Stockfisch mit viel Zwiebeln und Sahne) über Bacalhau à Braz, Bacalhau à Gomes de Sá oder ganz einfach gegrillt, es gibt immer einen Anlass, wo der Bacalhau einfach nicht fehlen darf!
Nach einigen Tagen auf der Insel wird Ihnen sicher nicht entgangen sein, dass die Madeirenser auch eine süße Ader haben! Überall auf der Insel, in allen Cafés, Snackbars und Restaurants gibt es eine große Auswahl von Kuchen, Süßigkeiten und Desserts. Die Liste ist lang, aber am beliebtesten sind bei den Einheimischen die Queijadas, ein rundes Käsegebäckstück aus einer Art Quark, Eiern und Zucker. Viele werden auch beim Bolo de mel (Honigkuchen) und Honigplätzchen schwach. Der Bolo de mel, Madeiras ältester Kuchen, entstand zu der Zeit als die Zuckerproduktion auf der Insel ihren Höhepunkt hatte und wird traditionsgemäß auch mit Weihnachten in Verbindung gebracht. Die bevorzugten regionalen Dessertspezialitäten sind zweifellos der Maracuja-Pudding und frische Früchte aller Art, die oft in köstlichen, frischen Fruchtsalaten angeboten werden.
Nun zum Abschluss noch die Getränkespezialitäten Madeiras! Neben dem weltberühmten Madeirawein produzieren viele Bauern ihren eigenen Hauswein von verschiedenen Rebsorten den so genannten Vinho seco (trockener Wein). Eine Spezialität in Bars in Câmara de Lobos und Umgebung ist der Nikita, ein erfrischendes, süßliches Getränk aus Bier, Eiscreme und kleinen Ananasstücken. Auf Wunsch gibt es hiervon auch die alkoholfreie Variante! Das Nationalgetränk Madeiras, das Sie wirklich überall auf der Insel finden, ist allerdings der Poncha, den man kalt oder warm trinken kann. Wenn er Ihnen schmeckt und Sie dieses Getränk bei Ihren Freunden zuhause einführen wollen, hier das Rezept. Nehmen Sie eine gute Dosis Aguardente (ein Zuckerrohrschnaps) und vermischen Sie diesen mit Zuckerrohrhonig und frischem Zitronensaft (oder Orangensaft), alles gut durchschütteln und runter damit in einem Zug! Es geht nichts über einen hausgemachten Poncha zu jeder Gelegenheit! |